Mittwoch, 28. Januar 2009

Agenda

Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, begann seine Laufbahn als Neurologe und untersuchte recht erfolgreich unter dem Mikroskop die Architektur der Nervenzellen. Doch sein Traum, Gehirn und Nervensystem zu enträtseln und auf dieser Basis eine neue Psychologie zu begründen blieb trotz aller Bemühungen unerfüllt. Die damals zur Verfügung stehende Technik reichte einfach nicht aus, um die ungeheuer feinen und komplizierten Strukturen von Gehirn und Nervensystem mit hinreichender Genauigkeit zu untersuchen.
Freud ging daraufhin einen anderen Weg und entwickelte die Psychoanalyse, eine wissenschaftliche Methode, mit der es erstmals möglich war die Dynamik des menschlichen Seelenlebens, einschliesslich der sehr wichtigen unbewussten Anteile zu erfassen. Die Psychoanalyse war nicht nur eine neue Behandlungsmethode für seelische Krankheiten, sondern brachte auch überraschende, ja revolutionäre Erkenntnisse in Philosophie, Politik, Geschichte, Literatur und Kunst.

Inzwischen, rund 100 Jahre später, stehen jedochdie notwendigen technischen Voraussetzungen für eine genaue Untersuchung von Gehirn und Nervensystem endlich zur Verfügung . Es ist möglich einzelne Nervenzellen und ihre elektrischen Ströme bis in die molekulare Ebene hinab zu betrachten. Moderne bildgebende Verfahren erlauben die Verfolgung der Aktivität des Gehirnes in Echtzeit. Hinzu kommen Erfahrungen aus der Behandlung neurologischer Störungen. Der Traum Freuds von einer neurobiologisch begründeten Psychologie erscheint greifbar nah. Ja mehr noch, die neuen Erkenntnisse der Neurobiologie bestätigen zunehmend die psychologischen Theorien Freuds, die er seinerzeit mit Hilfe der psychoanalytischen Methode entwickelt und empirisch überprüft hat. Aus Psychoanalyse und Neurologie erwächst allmälich eine neue wissenschaftliche Disziplin, die Neuropsychoanalyse, um die es in diesem Internetjournal hauptsächlich gehen soll.

Jens Christian Heuer

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